1. Juristisch-politische Fachkonferenz

6.+7. Oktober 2018, Bürgerzentrum Alte Feuerwache, Süd-Trakt, Melchiorstraße 3, 50670 Köln

PROGRAMM | REFERENT*INNEN | ONLINE ANMELDEN

Anmeldung: buero@arbeitsunrecht.de | Telefon: 0221. 888 69-002 | Die Konferenz ist nicht öffentlich. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.


Aufstehen und widersetzen: für Demokratie und Menschenrechte am Arbeitsplatz!

In nur 9 Prozent aller Unternehmen besteht überhaupt ein Betriebsrat. Hochbezahlte Profis verhindern die Wahl neuer Betriebsräte.

Eine Folge dieser Misere: Unternehmen erpressen in Deutschland jährlich eine Milliarde unbezahlte Überstunden. Sie verletzen damit täglich millionenfach das Arbeitszeitgesetz, zudem das Mindestlohngesetz, das Teilzeit- und Befristungsgesetz, das Arbeitsschutzgesetz – zu 99,9 Prozent straflos.

Während Konzerne bundesweit agierende Rechtsfirmen mit einer kohärenten Union Busting- und Anti-Organizing-Strategie betrauen, die selbstverständlich auch Litigation-PR (Beeinflussung der Meinung im Gerichtssaal), Agenda Cutting (unliebsame Themen + Konflikte von der Tagesordnung streichen) und Lobbyismus beinhaltet, agieren die meisten Anwälte von Betriebsräten und Gewerkschaften ohne bundesweiten Austausch auf lokaler und regionaler Ebene – oftmals ohne strategische Absprachen.

Die Partei der Lohnabhängigen ist in einer ungünstigen Rolle: Es gilt, Angriffe abzuwehren und das Schlimmste zu verhindern. Zahlreiche Kämpfe, die Beschäftigte, Betriebsräte und ihre Rechtsanwälte mit der Unternehmensseite führen müssen, sind in hohem Maße asymmetrisch.

Beschäftigte, Betriebsräte, Gewerkschafter und ihre Anwälte entwickeln trotz ihrer schwierigen Ausgangslage effektive Strategien, um den Kopf im Betrieb über Wasser zu halten oder zumindest ihre Haut so teuer wie möglich zu verkaufen. Sie machen wertvolle, oft auch schmerzhafte Erfahrungen. Doch mangelt es bundesweit an Austausch, Reflektion, Theoriebildung und Debatte.

Die Konferenz soll einen Beitrag leisten, die Lücke auf Seiten der Beschäftigten und gewerkschaftsnahen Arbeitsrechtler*innen zu schließen.

Ergänzend zur klassischen Gewerkschafts- und Betriebsratsarbeit hoffen wir auf einen Aufbruch für Arbeitsrechte als Menschenrechte, um eine Trendwende für bessere Arbeitsbedingungen und demokratische Verhältnisse in Wirtschaft und Betrieb einzuleiten.

Dieser Aufbruch muss politisch vorbereitet werden und juristisch fundiert sein.


Programm

Samstag, 6. Oktober 2018

  • 11:00 - 11:30 Uhr | Arbeitsrechte als Menschenrechte | Referent: Dr. Werner Rügemer
  • 11:45 - 12:30 Uhr | Die Methode Naujoks im Jahr 2018. Neue Tendenzen anhand realer Fälle | Referent: Elmar Wigand
  • 12:45 - 13:30 Uhr | Union Busting-Strategien großer Wirtschaftskanzleien | Referenten: RA Stefan Chatziparaskewas + RA Martin Bechert
  • 14:30 Uhr - 16:30 Uhr | Strategien und neue Ansätze gegen professionelle Union Buster und ihre Methoden. Workshop + Erfahrungsaustausch zu Naujoks, Beiten Burkhard, DLA Piper etc. | Referenten: Elmar Wigand + RA Martin Bechert
  • 17:00 - 18:00 Uhr | Verhandlungsziel Abfindung? | Kritisches Podiumsgespräch zwischen RA Daniel Weidmann und Elmar Wigand. Moderation und Input-Referat: Jessica Reisner.
  • 19:30 - 21:00 Uhr | 100 Jahre Novemberrevolution 1918 - Konrad Adenauer und der Kölner Arbeiter- und Soldatenrat | Vortrag von Werner Rügemer (öffentliche Veranstaltung)

Sonntag, 7. Oktober 2018

  • 10:00 - 11:45 Uhr | Schwarzer #Freitag13 - vom Versuch, eine radikale Menschenrechtsbewegung für Arbeitsrechte zu erzeugen. (Selbst-)kritisches Resümee nach 7 Aktionstagen | Referentin: Jessica Reisner
  • 12:00 - 13:00 Uhr | A) Diskussion / Erfahrungsaustausch | Die schwierige Zusammenarbeit mit Gewerkschaften | Referenten: Elmar Wigand + Frank Köppe | B) Workshop | Ganz praktisch: Wie stelle ich etwas vor Ort auf die Beine? Handreichungen, Tipps + Tricks. Bewährte Maßnahmen und häufige Fehler | Referenten: Jessica Reisner + Tim Bergmann
  • 14:00 - 16:00 Uhr | Podiumsdiskussion: Aufstehen für Betriebsräte und Arbeitsrechte in Deutschland? | Moderation: RA Albert Klütsch | mit Sevim Dağdelen (Die Linke), weitere Podiumsteilnehmer*innen sind angefragt. | Wie lassen sich dringend notwendige Änderungen in Rechtssprechung, Strafverfolgung und Gesetzgebung erreichen? Die aktion ./. arbeitsunrecht diskutiert ihre Forderungen und Verbesserungsvorschläge mit Gewerkschaftern und Mitgliedern der Parteien SPD, Grüne, Die Linke. Kann #aufstehen in eine festgefahrene Situation Bewegung bringen?

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Referent*innen

Martin Bechert

ist Fachanwalt für Arbeitsrecht. Seine Berliner Kanzlei Bechert Rechtsanwälte vertritt ausschließlich Beschäftigte.

Er schult und berät Betriebsratsmitglieder und -gremien.

In zahlreichen Fällen vertrat er Betriebsräte, die von Union Busting betroffen waren.


Tim Bergmann

Als gelernter Koch rutschte er in sein erstes Betriebsratsmandat und musste schnell feststellen, dass von "vertrauensvoller Zusammenarbeit" oft nicht mehr als eine hohle Phrase bleibt. Konflikte, Hetze, Schikane sind gegen die Protagonisten in diesem Ehrenamt der Alltag, gegen den es sich zu behaupten gilt.

Als betrieblicher Praktiker berät er für die aktion./.arbeitsunrecht Betriebsräte. In der ostwestfälischen Initiative „Der rote Punkt“ ist er gegen Union Busting aktiv.


Stefan Chatziparaskewas

ist Jurist und Aktivist. Er ist Gründer und Partner der auf die Beratung von Betriebsräten spezialisierten Kanzlei Vieker und Chatziparaskewas, die deutschlandweit Gewerkschaften und Betriebsräte sowohl im täglichen Geschäft als auch in Krisensituationen berät und begleitet.

Neben seinem beruflichen Einsatz gegen Arbeitsunrecht enagiert er sich in der ostwestfälischen Initiative „Der rote Punkt“ gegen Union Busting.


Sevim Dağdelen

ist seit 2005 Mitglied des Bundestages und stellv. Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE und war 2005-2009 Mitglied im Rechtsausschuss, seit 2009 Mitglied im Auswärtigen Ausschuss sowie stellv. im Innenausschuss.

Einer ihrer Schwerpunkte ist die Rüstungsexportpolitik.

Mit 16 Jahren machte sie als Teilzeitbeschäftigte Erfahrungen in der Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit. Sie ist Mitinitiatorin der Anfang September gegründeten Sammlungsbewegung #aufstehen

Albert Klütsch

ist Fachanwalt für Arbeitsrecht, Schauspieler und Sprecher. 

Er war von 1974-80 Richter am Arbeitsgericht und von 1980-90 Mitglied des Landtags NRW und rechtspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion.

Heute engagiert er sich für attac und im Kölner Gesprächskreis der Nachdenkseiten.


Jessica Reisner

ist Social Media Managerin und Campaignerin der aktion ./. arbeitsunrecht. Sie organisiert seit 2015 den Aktionstag Schwarzer #Freitag13 gegen Horror-Jobs, Ausbeutung und Fertigmacher.

Mit der Kampagne PutzfrauenPower! verteidigt sie die Rechte von (migrantischen) Reinigungskräften in der Hotel-Branche.

Sie arbeitet an der bundesweiten Vernetzung renitenter Betriebsrats- und Gewerkschaftsmitglieder.


Werner Rügemer

arbeitet als Publizist, Berater und Stadtführer. Mit Elmar Wigand verfasste er die Studie Union Busting in Deutschland und das Buch Die Fertigmacher. Arbeitsunrecht und die professionelle Bekämpfung von Gewerkschaften (Papyrossa-Verlag, 2017).

Weitere Schwerpunkte sind Privatisierung, kommunale Wirtschaft und internationale Kapitalverhältnisse.

Er hat die aktion./.arbeitsunrecht e.V. mitbegründet.


Daniel Weidmann

arbeitet als Fachanwalt für Arbeitsrecht in Berlin. Er vertritt Beschäftigte und Betriebsräte und begleitet gewerkschaftliche Organizing-Kampagnen.

Das Thema Union Busting beschäftigt ihn beruflich mehr als ihm lieb ist.


Elmar Wigand

ist Sozialforscher und Publizist. Er arbeitet als Pressesprecher im Kölner Büro der aktion ./. arbeitsunrecht sowie als freiberuflicher Referent & Berater für Gewerkschaften und Betriebsräte.

Derzeit erforscht er im Projekt Prekäre Piloten Arbeitsbedingungen und Arbeitskämpfe im Cockpit.

Für Lobbycontrol e.V. baute er 2011 das mit dem Grimme-Preis gekrönte Portal Lobbypedia.de auf.

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Teilnehmer*innen-Zahl begrenzt. Anmeldung erforderlich!

06.10.2018 11:00   bis   07.10.2018 16:00
Bürgerzentrum Alte Feuerwache
Melchiorstr. 3
KVB-Haltestelle: Ebertplatz
50670 Köln
Deutschland
Sozialtarif € 15,00
Regelsatz € 30,00
Solidarbeitrag € 50,00