Mc Kinsey

Warum wurde das Unternehmen für den Schwarzen Freitag am 13. Mai 2016 nominiert?

Schmutziges Spiel beim Poststreik 2015 | Beängstigendes Netzwerk der Macht


Das berühmte McKinsey 7-S-Modell. Die
Beschäftigten, also die eigentlichen Produzenten des
Profits, sind lediglich unter ferner liefen angeordnet.
(Grafik: Hans-Jürgen Geiß, wikicommons)

McKinsey gilt als der größte und mächtigste Unternehmens-Beratungs-Konzern der Welt.

McKinsey berät nach dem Motto "mehr Leistung mit weniger Personal", wobei die Mehrheit des Personals zusätzlich im Lohn gedrückt werden soll, während die Boni für Manager erfolgsabhängig erhöht werden.

McKinseys Macht besteht nicht nur in aktiven Beratungsmandaten, die die Arbeitsbedingungen von abertausenden Beschäftigten in Deutschland beeinflussen. McKinsey bildet über Seitenwechsler, die in Konzernen, öffentlichen Posten und Politik arbeiten, ein Netzwerk, das prägenden Einfluss auf die gesamte deutsche Wirtschaft ausübt.  Die FAZ sprach von "28.000 ehemaligen McKinsey-Beratern an den Schaltstellen von Wirtschaft und Politik" (Der Club der Macht, FAZ, 18.2.2014). "Auffällig oft", so schrieb  der Spiegel, fänden sich McKinseys Leute "im Finanzwesen (etwa als Chief Financial Officer oder Finanzstaatssekretär), in der IT (Chief Information Officer) und in Abteilungen, die sich um Strategie (Head of Strategy) und Effizienz mühen" (Milliardenschweres Netzwerk - McKinsey ist überall, spiegel.de, 9.10.2012).

Deutsche Post / DHL als McKinsey Domäne

Mit Klaus Zumwinkel und Frank Appel wurden gleich zwei hochrangige McKinsey-Manager hintereinander Post-Vorstandsvorsitzende. Der ehemalige Staatskonzern kann als eine Art Erbhof von McKinsey gelten. 

Inzwischen gilt der gesamte Apparat des oberen mit mittleren Managements bei der Post als durchsetzt von Zöglingen aus dem Hause McKinsey. Wir können also davon ausgehen, dass die Methoden zur Gewinnmaximierung auf dem Rücken der Beschäftigten, wie sie bei der Post zu beobachten sind, auf Lehren McKinseys fußen.

Im Oktober 2014 wurde Melanie Kreis als neue Personalchefin berufen. Auch sie hatte ihre Karriere bei McKinsey begonnen. Einige Monate nachdem sie im Amt war, richtete der Postvorstand gegen die Vereinbarung mit ver.di plötzlich 49  Delivery-Tochtergesellschaften ein. Eine Provokation, die - auch angesichts drastischer Verschlechterung der Arbeitsbedingungen - ver.di zum Streik trieb (siehe unten). 

Typisch für die Meckies (wie die Unternehmensberater spaßig genannt werden) ist ein Höchstmaß an Wertschätzung für die eigenen Leistungen, die sich in üppigen Boni-Zahlungen und sonstigen Vergütungen spiegelt. So zählte Frank Appel 2013 und 2014 zu den Top 10 unter den deutschen Managern. Er strich 2014 laut Darstellung von ver.di 9,6 Mio. € ein (Poststreik! warum?). Gleichzeitig zu beobachten ist eine systemische Geringschätzung für die Leistungen "einfacher Beschäftigter", die durch ständige Umstrukturierungen, Auslagerungen, Personalexperimente, Flexibilisierung und Lohndumping abgewertet und herum gescheucht werden.

Hinzu kommt eine tiefsitzende Verachtung für das Gemeinwesen (Kommunen, Länder, Bund), das über legale, halblegale und illegale Methoden (Steuerhinterziehung durch Klaus Zumwinkel) geschröpft, hintergangen und umgangen wird.

Post-Streik gegen Auslagerung der Paketzustellung und Lohndumping

Im Frühjahr 2015 streikte ver.di gegen die Deutsche Post / DHL, weil die Paketzustellung in 49 Töchter ausgelagert werden sollte - sogenannte Delivery-Zentren. In den neu geschaffenen Tochterunternehmen warteten extrem verschärfte Arbeitsbedingungen und Lohneinbußen auf die Beschäftigen. Die Post köderte viele prekär Beschäftigte, freiwillig dorthin zu wechseln, in dem sie ihnen unbefristete Arbeitsverträge anbot. Zuvor hatten dieselben Leute teils jahrelang mit Kettenbefristungen arbeiten müssen. Der Preis für die Festanstellung sollten Lohneinbußen von bis zu 20% sein!

Ver.di trat vom 8. Juni bis 7. Juli 2015 in einen unbefristeten Massenstreik bei der Post / DHL. Die Streikkraft war regional teils beeindruckend, die Verspätungen und Nicht-Auslieferung von Paketen und Briefen teils dramatisch. Dennoch kann das End-Ergebnis für ver.di aber bestenfalls als Achtungserfolg gelten. Das Streik-Ziel, die 49 Regionalgesellschaften zu verhindern, konnte ver.di nicht erreichen.

Streikbruch-Methoden

Beamte als Streikbrecher

Die Deutsche Post AG setzt laut übereinstimmenden Presseberichten Beamte als Streikbrecher ein. Vorgesetzte sollen Streikende außerdem einschüchtert haben, Mitarbeiter unter Druck gesetzt worden sein, den Streik zu boykottieren.Die aktion./.arbeitsunrecht kritisierte im Juni 2015 in diesem Zusammenhang eine Entscheidung des Arbeitsgerichts Bonn unter dem Vorsitz von Wilfried Löhr-Steinhaus, das tatsächlich der merkwürdigen Begründung folgen wollte, der Streikbrecher-Einsatz von Beamten sei eine “freiwillige Versetzung” (https://arbeitsunrecht.de/post-ag_lohndumping-streikbruch-profitgier/)

Totalitäre Berieselung über 3.700 Flachbildschirme

Während die meisten PR-Methoden von anderen Unternehmen bekannt sind, machte die die Post AG durch eine Neuerung von sich reden, die an den Großen Bruder aus George Orwells Roman “1984” erinnert: In den Betrieben wurden 3.700 Flachbildschirme aufgestellt, die mit Unternehmens-Propaganda bespielt werden. Offenbar direkt aus der Bonner Zentrale. An den Streiktagen gab es Sondersendungen, in denen Manager zu Wort kamen, die das Unternehmen lobten und priesen. Immerhin stoppte das Arbeitsgericht Lüneburg diese totalitäre Zentral-Berieselung als unzulässigen Eingriff in die Meinungsfreiheit vorerst (Post berieselt Mitarbeiter mit Propaganda-TV, Die Welt, 17. Mai 2015).

Propaganda gegen Streikende und ihre Ziele

Zur Kunst des Arbeitskampfes gehört wie selbstverständlich die Beeinflussung der öffentlichen Meinung:

  • Die rechtlichen Konsequenzen für Empfänger und Absender von Briefen, die nicht pünktlich kommen, wurden in schillerndsten Farben ausgemalt. Damit wurde systematisch versucht, Kunden als Opfer eines fremden Konflikts, in gesteigerter Forn gar als Geiseln der Gewerkschaft darzustellen. (So betonten Ratgeber-Sendungen schon im Vorfeld des Bahnstreiks auffällig oft, Unternehmen könnten ganz selbstverständlich Abmahnungen verteilen, wenn Beschäftigte aufgrund von Streiks verspätet zur Arbeit erschienen).
  • Der Gewerkschaft wurde Eigennützigkeit vorgeworfen
  • Dabei war offenbar kein Argument zu billig, um nicht durch die Redaktionskonferenz mancher Mainstream-Medien zu kommen: Die Gewerkschaft soll angeblich gegen die Schaffung neuer Arbeitsplätze sein.

Tatsächlich ging es bei Poststreik 2015 darum, die weitere Umwandlung von regulären Festanstellungen in schlecht bezahlte Teilzeitjobs zu verhindern.

McKinsey unterhält Büros in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln, München, Stuttgart (https://www.mckinsey.de/standorte).


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