Hennes & Mauritz

Warum wurde H&M zum Ziel des Aktionstags Schwarzer Freitag, 13. Oktober 2017?

Ist der Ruf er ruiniert ... H&M lässt zwischen Kinderarbeit und Zermürbung einzelner Betriebsräte wirkdlich nichts aus
Ist der Ruf er ruiniert ...
junge Mode zwischen Kinderarbeit
und Zermürbung von Betriebsräten

  • Flächendeckendes, systematisches Union Busting
  • willkürliche Kündigungen gegen Gewerkschafter
  • juristische Nachstellungen und Zermürbungsmethoden gegen Betriebsratgsmitglieder
  • Kettenbefristungen, unfreiwillige Teilzeitverträge, Flex-Verträge

Hintergrund

Die schwedische Aktiengesellschaft Hennes & Mauritz machte 2016 mit 23,6 Milliarden Euro den größten Umsatz der Unternehmensgeschichte (Handelsblatt 31.01.2017). In Deutschland arbeiten rund 19.000 Beschäftigte in über 400 Filialen Filialen. Der Gewinn der Aktionäre basiert auf ausbeuterischen Produktionsbedingungen, z.B. in Burma und Bangladesh (Spiegel 06.02.2017Abendblatt 27.08.2016), entsteht aber auch durch Ausbeutung und die  Behinderung von Betriebsratsarbeit in deutschen Filialen.


Stefan Persson, der Vater von CEO
Karl-Johann Persson, ist als Hauptaktionär
von H&M der reichste Mann Schwedens
und liegt im internationalen Superreichen-
Ranking derzeit auf Platz 50. Laut
Forbes besaß er 2017 stolze 20 Mrd. US-$.
 

Für 2017 soll der Umsatz um weitere 10-15 Prozent steigen - bei gleichbleibender Rentabilität. H&M-Mehrheitsaktionär Stefan Persson (er besitzt 30% der Aktien) ist laut Heinrich-Böll-Stiftung der mit Abstand reichste Mann Schwedens. (Heinrich Böll-Stifung 15.02.2016)

Schließung von Filialen in Deutschland: Alte rausschmeißen

Das Marken-Image von H&M ist in Deutschland auch aufgrund katastrophaler Arbeitsbedingungen in der Textilproduktion in Asien (Bangladesh u.a.) weitgehend ruiniert, so dass H&M neue Marken aufbaut: Arket, Cos, &other Stories (SZ, 22.9.2017).

In Deutschland sollen zahlreiche Filiale geschlossen werden. Das Damoklesschwert der Entlassung verängstigt und verbittert viele langjährig Beschäftigte. Auch weil das Management die Entlassungen offenbar dazu nutzen will, sich älterer Beschäftigter entledigen, weil man den jungen Kunden auch gerne auch junge und willige Verkäuferinnen und Verkäufer präsentieren möchte.

Großostheim: Verbrannte Erde als Vergeltungsmaßnahme

Besonders in die Kritik geriet H&M durch die angedrohte Schließung eines Lagers in Großostheim bei Aschaffenburg, das nach Meinung der aktion./.arbeitsunrecht ohne wirtschaftlich nachvollziehbare Notwendigkeit im Sommer 2018 dicht machen soll. 344 Beschäftigte sind von Kündigung bedroht.

Die Initiative bewertet die Schließungspläne als Vergeltungsmaßnahme zur Zerschlagung einer gewerkschaftlich gut organisierten Belegschaft samt ihres aktiven Betriebsrats. (Mehr Informationen: "H&M droht 344 Arbeitsplätze zu vernichten", arbeitsunrecht.de, 28.9.2017)


Unvorstellbarer Reichtum: H&M-
CEO Karl-Johan Persson ist
Millardär. Durch Einsparungen bei Löhnen
und Produktionskosten stiegen die Perssons
zu den reichsten Familien der Welt auf.
(Bild Wikicommons, CC BY 3.0)

Systematische Betriebsratsbekämpfung

  • Bad Godesberg: Im Mai kündigte das Management dem seit 14 Jahren bei H&M beschäftigten Mitglied des Gesamtbetriebsrats Nico L.. Der fadenscheinige Vorwurf lautet auf Arbeitszeitbetrug und unerlaubten Urlaub. Der erste Verhandlungstermin am Arbeitsgericht Bad Godesberg findet im Oktober 2017 statt. (Details zum Termin werden noch genannt). (Nominierung zum Schwarzen Freitag)
  • Leverkusen: das Betriebsratsmitglied Lukasz ist seit Monaten von Kündigungsversuchen bedroht. Hier lautet der Vorwurf ebenfalls auf Selbstbeurlaubung. Das Arbeitsgericht Solingen lehnte die Zustimmung zum Kündigungsbegehren ab. Der Fall liegt derzeit beim LAG Düsseldorf. Es soll zur Zeugenaufnahme kommen. Der nächste Gerichtstermin ist im September (nähere Infos zum Termin folgen). (Pressemitteilung verdi 21.06.2017)
  • Tübingen: Das Management scheiterte im Juni 2017 mit dem Versuch, das Gesamtbetriebsratsmitglied Ermal "Mali" T. durch das Arbeitsgericht kündigen zu lassen. Besonders perfide: Man legte dem ver.di-Gewerkschafter in den Mund, er habe aufgrund seiner Betriebsratstätigkeit Gehaltserhöhungen eingefordert und andersfalls mit Rechtsstreitigkeiten gedroht (Betriebsratspraxis24, 22.06.2017, Flugblatt verdi). H&M hat Beschwerde gegen das Urteil eingelegt und will in die nächste Instanz ziehen.

Bereits 2015 entschied das Bundesarbeitsgericht zugunsten von Damiano Q., der als Betriebsratsvorsitzender gleich mit mehreren Kündigungsversuchen angegangen wurde und 16 Jahren im Betrieb tätig war (Bericht verdi 2015). 2014 berichtete die aktion./.arbeitsunrecht bereits über massive Probleme eines Mitglieds des Gesamtbetriebsrats in Stuttgart (arbeitsunrecht.de 29.09.2014). 

Die Zeit berichtete, dass die Betriebsräte-Versammlung sich darüber beschwert habe, dass Mitarbeiter, die einen Betriebsrat gründen wollen, unmittelbar unter Druck gesetzt würden (Die Zeit, 12.07.2017).

Viele Streitigkeiten entstehen rund um die Personaleinsatzplanung (PEP). Stunden werden nicht gerecht verteilt, Urlaube nicht eingetragen.


Solidarität für die angegriffenen
Betriebsratsmitglieder gab es
auch von Gewerkschaftern aus
Bangladesh.

Viele arbeiten in Teilzeit: Flex-Verträge

Obwohl zahlreiche Beschäftigte dringend mehr Stunden arbeiten möchten, um finanziell über die Runden zu kommen, werden Kolleg*innen mit sogenannten Flex-Verträgen eingestellt (correctiv 12.03.2017). Beschäftigte mit Flex-Verträgen haben keinerlei Planungssicherheit, weder das die Arbeitszeiten, noch was den monatlichen Verdienst betrifft. Fatale Folge: durch die willkürliche Zuteilung von Arbeiststunden können kritische Mitarbeiter bestraft und Lieblinge der Führungskräfte bevorzugt werden. Eine Umfrage habe ergeben, dass in den von den Betriebsräten betreuten 170 Filialen 41 Prozent der Beschäftigten einen solchen Flex-Vertrag haben. (Welt 12.07.2017)

Kolleg*innen klagen laut Gewerkschaftern außerdem über Überlastungsanzeigen, auf die keine Reaktion erfolgt, beschweren sich bezüglich des teils krassen Tons von Führungskräften, die Beschäftigte auch schon mal beschimpfen oder sich zu rassistischen Äußerungen bezüglich der Deutschkenntisse einzelner Mitarbeiter hinreißen lassen.

DLA Piper: juristische Nachstellung durch internationale Groß-Kanzlei

Das juristische Trommelfeuer gegen Beschäftigte und Betriebsratsmitglieder koordiniert Rechtsanwalt Dr. Volker von Alvensleben, weitere Mandatsträger der Wirtschaftskanzlei DLA Piper helften ihm dabei. Während bei Löhnen für Verkäufer*innen geknausert wird, erzielen Juristen einer solchen "Top-Kanzlei" nicht selten 300,- € pro Stunde und mehr. 


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