Real / Metro AG

Warum sind wir am Schwarzen Freitag, 13. Juli 2018 gegen Real vorgegangen?

Jeder kann hin! Über 260 real-Märkte bieten reichlich Angriffsfläche für Aktivisten, die die Beschäftigten unterstützen wollen
Proteste gegen Real: Jeder kann
mitmachen! Über 280 Filialen
gibt es in Deutschland

  • Tarifflucht
  • Lohndumping
  • Leiharbeit
  • systematische Umgehung des equal-pay Anspruchs von Leiharbeiter*innen
  • Zusammenarbeit mit der gelben Gewerkschaft DHV

Die Einzelhandelskette Real gehört zum Metro-Konzern. Das Management überführt im Juni 2018 sämtliche 34.000 Real-Beschäftigte  in die konzerneigene Metro Services GmbH, die ab 08.06.2018 als Real GmbH firmiert und deren einziger Gesellschafter die Real Holding GmbH ist.

Neu Eingestellte sollen durch diesen "Betriebsübergang" deutlich schlechter gestellt werden. Ziel ist die "Reduzierung der Personalkosten" um rund 30%. Im Klartext: Lohndumping. Die Gewerkschaft ver.di befürchtete in älteren Berechnungen sogar, dass neu Eingestellte sogar bis zu 40% weniger verdienen könnten, als ihre älteren Kolleg*innen.

Um ihren Profit zu steigern, plant die Metro AG folgende Maßnahmen für die Beschäftigen:

  • 40 Stunden-Woche statt 37,5 Stunden-Woche
  • Urlaubsgeld 680 Euro statt aktuell 1262 Euro (brutto)
  • Weihnachtsgeld 450 Euro statt aktuell 1611 Euro (brutto)
  • weitere Einbußen bei den Gehältern von Verkäufer*innen und Kassierer*innen

Die Spaltung der Belegschaft in Beschäftigte mit neuen Verträgen und solchen mit älteren, teureren Arbeitsverträgen läuft langfristig auf einen kompletten Austausch der bereits vor dem Betriebsübergang Beschäftigten hinaus. Konkurrenten wie rewe, edeka, Kaufland und Lidl werden mit großen Interesse beobachten, ob der menschenveranchtende Umgang mit den Beschäftigten auf Gegenwehr und Ablehnung bei den Kunden trifft - oder auf Dauer gewinnbringend ist. Es gilt, einen Flächenbrand für die über drei Millionen im Einzelhandel Beschäftigten zu verhindern.

Wir fordern: Zurück zur Tarifbindung, gleiche Bezahlung für alle und Verzicht auf Leiharbeit!

Werden Sie jetzt schon aktiv, suchen Sie sich Bündnispartner für Aktionen! Wir werden Aktionsideen und Material zur Verfügung stellen und eine Übersichtkarte geplanter Aktionen anlegen.

Die Real-Märkte in Deutschland finden Sie hier: https://www.real.de/rechtliches/marktliste/


Schwarzer Freitag für Real
Ansprechpartnerin:
Jessica Reisner email 
+49.160.93233756

Lohndumping per Tariflucht

Seit 2015 untergräbt die metro AG unter dem Management von Olaf Koch die Löhne bei Real. Das aggressive Vorgehen trifft rund 34.000 Beschäftigte, die in über 280 Filialen für Real arbeiten. Dazu kommen Leiharbeiter*innen, deren Anspruch auf equal pay seit der Reform des Arbeitnehmerüberlassungsgesetztes (AÜG) im April 2017 systematisch unterlaufen wird.

2015 ist die Real Group Holding GmbH (Metro AG) unmittelbar vor der Einigung mit der Tarifkomission aus dem Flächentarifvertrag für den Einzelhandel ausgestiegen. Um für die Beschäftigten zumindest einen Bestandsschutz zu erreichen, schloss die Gewerkschaft verdi für die 34.000 Angestellten im Sommer 2016 einen "Zukunftstarifvertrag" ab. Die Eckpunkte beinhalteten eine schrittweise Reduzierung des urlaubs- und Weihnachtsgeldes, sowie einen Verzicht auf Lohnerhöhrungen bis 2019. Die Real-Beschäftigten gehen davon aus, dass sie alleine durch diese Maßnahmen bis jetzt in der Summe 110 bis 120 Millionen verloren haben. 

Im Gegenzug schloss das Management betriebsbedingte Kündigungen aus und sagte ein umfangreiches Sanierungskonzept zu, in das eine Milliarde Euro fließen sollte. Tatsächlich passierte weit weniger: Aus Mitarbeiterkreisen verlautet, dass die Metro AG bisher nur rund 254 Millionen Euro investiert hat. Auch von einer Rückkehr in den alten Tarifvertrag, die laut "Zukunftstarifvertrag" 2019 erfolgen sollte, ist längst keine Rede mehr. 


    Schwarzer Freitag, der 13. Sie wollen mitmachen? Tragen sie sich ein: >> Aktions-Verteiler + Übersicht


    Geplante Zusammenarbeit mit der DHV

    Statt dessen kündigte das Metro-Management zum 31.05.2018 den "Zukunftstarifvertrag" und verkündete einen Wechsel vom Handelsverband Deutschland (HDE) zum kleineren Arbeitgeberverband AHD (Unternehmervereinigung für Arbeitsbedigungen im Handel- und Dienstleistungsgewerbe e.V.) an. Neuer Partner für einen Haustarifvertrag soll nun die gelbe Scheingewerkschaft DHV  werden. Allerdings wird das Bundesarbeitsgericht in Erfurt erst am 26.06.2018 darüber entscheiden, ob die DHV überhaupt tariffähig ist.

    Die DHV, hervorgangen aus dem Deutschen Handelsgehilfen Verband, ist Mitglied des Christlichen Gewerkschaftsbundes CGB. Die DHV und andere christlichen Gewerkschaften agieren als verlässliche Partner für Unternehmen, die verdi-Tarife unterlaufen wollen. Der deutlich schlechtere Tarifvertrag mit der DHV soll rückwirkend ab dem 01.01.2018 für alle Beschäftigen gelten, die seit Jahresbeginn 2018 eingestellt wurden. 

    Schwerpunkte der DHV sind unter anderem der öffentliche Dienst, Sozialversicherungen, Krankenkassen, Fach-, Groß- und Einzelhandel, Kommunen, Banken, Versicherungen, Privatkliniken, Speditionen und Zeitarbeitsunternehmen. 

    Umgehung von Gesetzen: Equal Pay für Leiharbeit? Nicht bei Metro

    In manchen Filialen sollen laut Beschäftigten bis zu 50% der Belegschaft und fast alle Kassierer*innen Leiharbeiter*innen gewesen sein. Ein Subunternehmer war die Firma Mumme Personalservice GmbH, die im 2017 nach eigenen Angaben 98% ihrer Beschäftigten an Real auslieh. (De facto handelt es sich demnach um eine scheinselbständige Firma.) Beim ver.di-Streik im Jahr 2015 setzte das Management Leiharbeiter der Firmen 4u@work und Novum als Streikbrecher ein.

    Zum 01.04.2017 beschloss die Bundesregierung eine Reform des Arbeitnehmeüberlassungsgesetztes AÜG. Die Gesetzesnovelle, die vom Arbeitsministerium unter Andrea Nahles (SPD) voran getrieben wurde, sollte Leiharbeiter*innen nach neun Monaten Betriebszugehörigkeit das gleiche Gehalt wie Festangestellten garantieren - theoretisch.

    Die Metro AG reagierte prompt: Kassiererinnen, die teils seit Jahren über die Firma Mumme bei Real beschäftigt waren, erhielten zum Stichtag 31.12.2017 ihre Kündigungen. Teilweise wurde offen angeboten, nach Ablauf von drei Monaten, zum 02.04.2018 wieder über Mumme bei Real anzufangen. Dann natürlich wieder ohne Anspruch auf gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit.

    Als Begründung für die Kündigung führte Mumme an, dass 98% aller Personaleinsätze bei Real stattfänden, und diese einen weiteren Einsatz aller Mitarbeiter der Verleihfirma ablehne, deren Überlassung neun Monate oder mehr betrage.

    Heike O., bereits seit 2013 über Mumme bei Real beschäftigt, klagte gegen diese Behandlung und bekam vor dem Arbeitsgericht Mönchengladbach recht. Der Fall gilt als Präzedenzfall. Auch das Gericht sah den direkten Zusammenhang mit dem zum 01.01.2018 entstehenden Anspruch auf equal pay.

    Fortgesetzter Rechtsnihilismus


    Statt für Leiharbeiter*innen gleichen Lohn für gleiche Arbeit zu zahlen,
    stellt die scheinselbständige Real-Leiharbeitsfirma Mumme nur noch befristet auf acht Monate ein.
    (Quelle: Bildschirmfoto, Mai 2018)

    Die Firma Mumme setzt Heike O. jedoch bis zum heutigen Tag nicht ein. Mumme begründet das gegenüber Heike O. damit, dass Real sie nicht mehr wolle. Statt dessen verbuchte die Firma Mumme über 193 Minusstunden auf dem Arbeitszeitkonto der wehrhaften Kassiererin. "Das Arbeitszeitkonto im Leihverhältnis darf jedoch nicht dazu eingesetzt werden, § 11 Abs. 4 Satz 2 AÜG zu umgehen und das vom Verleiher zu tragende Beschäftigungsrisiko auf den Leiharbeitnehmer abzuwälzen", sagt Daniel Labrow, Anwalt der Leiharbeiterin. Eine dem Unternehmen Mumme gesetzte Frist lief am 08.06.2018 ab. Wir werden berichten.

    Leiharbeit auf 8 Monate befristet

    Wie ernst es der metro AG mit der grundsätzlichen Vermeidung von equal pay ist, zeigt sich bei der Durchsicht der Stellenanzeigen der Firma Mumme. Nahezu jede Stelle ist auf 8 Monate befristet.

    Befristet Beschäftigte mit alten Verträgen erhalten sollen derzeit überhaupt keine neuen Verträge. In vielen Filialen fehlen diese Arbeitskräfte jedoch dringend. Scheinbar will das Management jedoch abwarten, bis der Betriebsübergang abgeschlossen ist. Bis dahin müssen die anwesenden Kollgen irgend wie klar kommen und die Lücken stopfen.

    Und die Gewinner sind: Die Metro-Aktionäre!

    Hinter den Kulissen der Metro AG steckt ganz alter Geld-Adel. Größte Profiteure sind die Erben der Familie Haniel, die mit Kohle, Stahl und Reedereien groß wurden und seit 1871 von allen deutschen Kriegen profitierten.

    Eine stolze Menge von 360.122.736 Stammaktien und 2.975.517 Vorzugsaktien der metro AG sind derzeit im Umlauf. Auf jede Aktie wurden zuletzt 0,70 Cent Dividende ausgezahlt (siehe Geschäftsbericht vom 13.12.2017). Das ist eine Gesamtsumme von mehr als 254 Millionen Euro.

    53,23% der Stimmrechte liegen bei folgenden Aktionären:

    • Familie Haniel (81.015.280 Aktien) 22,5%. Sie gehört zu den 10 reichsten Familien Deutschlands. Insgesamt besitzt die Erbengemeinschaft Anteile an 800 bis 900 Unternehmen.
    • Familie Schmidt-Ruthenbeck (51.117.363 Aktion) 14,19% Mit einem geschätzten Vermögen von 3,2 Mrd. Euro stehen sie auf Platz 31 der Liste der Reichsten Deutschen des Manager Magazins. Nach dem Forbes Magazin standen sie auf Platz 246 der Liste der Reichsten Menschen. Die Brüder Michael Schmidt-Ruthenbeck und Reiner Schmidt leben in der Schweiz. Das Vermögen wird von der Karl Schmidt Familienstiftung in Zürich verwaltet. - Ca. 750 Mio. Euro hat Michael Schmidt-Ruthenbeck in die familieneigene Stiftung Mercator in Essen eingebracht.
    • CECONOMY (36.012.173 Aktien) 9,99% Die Ceconomy AG ist der Rest der ehemaligen Metro AG und betreibt Saturn und Mediamarkt. Die Aktien gehören wiederum zu 25% der Familie Haniel, 15,77% der Mercator Stiftung, 9,99% der METRO Consumer Electronics Zwischenholding, 6,56% der Otto Beisheim Stiftung)
    • Gesellschafterstamm der Otto-Beisheim-Erben (23.615.334 Aktien) 6,56%
    • Die restlichen Aktien sind in Streubesitz.

    Das Metro-Management plant, den operativen Gewinn von 1,44 Milliarden Euro im Jahr 2017 noch um zehn Prozent zu steigern. (Mit ebenfalls 1,4 Milliarden Euro subventioniert der deutsche Staat nach offziliellen Angaben übrigens Niedriglöhner im Einzelhandel, die auf grund von Hungerlöhnen mit Hartz IV aufstocken müssen.)


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    Quellen + weitere Informationen

    Systematisch Umgehung von equal play:

    Kündigung Flächentarifvertrag 2015 + Zukunftstarifvertrag:

    Kündigung Zukunftstarifvertrag und Wechsel zur DHV:

    Gelbe Gewerkschaften/DHV:

    Sonstige Presseberichte:


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