#Freitag13: Tönnies Fleischverarbeitung

Warum gehen wir am Schwarzen Freitag, 13. September 2019 gegen Tönnies vor?


Clemens Tönnies 2016 (Quelle CC,
Urheber Elmar J. Lordemann)


■■■■ HINWEIS: Der Tönnies-Konzern ging mit der Medien(verhinderungs-)Kanzlei Schertz Bergmann gegen Detils dieses Beitrags vor. Die jetzt rot einfärbten Text-Passagen waren wegen einer einstweiligen Verfügung, die Tönnies beim Landgericht Berlin durchsetzen konnte zeitweise geschwärzt. Tönnies hat den Antrag auf die einstweilige Verfügung am 07.11.2019 zurück gezogen. Die strittigen Text-Passagen dürfen damit zitiert werden.


Tönnies-Dumping-Fleisch steckt in den Marken Böklunder, Gutfried und in einem Großteil des ALDI-Fleischs (Hausmarken Tillmann’s, Rolffes, Sölde, Landbeck). Wir wollen den Schweine-Baron, Schalke-Boss und Rassisten Clemens Tönnies dort treffen, wo es weh tut: Marken-Image und Umsatz: Betreiben wir Aufklärung an Supermärkten!

Übersicht geplanter Aktionen am #FREITAG13. September 2019: https://aktion.arbeitsunrecht.de/fr13toennies

Mediales Harakiri

Am 1. August 2019 demontierte sich der Fleisch-Baron Clemens Tönnies durch eine denkwürdige Rede vor der Kreishandwerkerschaft Paderbon-Lippe selbst. Kurz zuvor hatte die aktion ./. arbeitsunrecht auf ihrer Webseite bekannt gegeben, dass Tönnies zur Zielscheibe des Aktionstags #FREITAG13 gegen Horror-Jobs am 13. September 2019 wird.

Tönnies schlug vor, statt den Klimawandel mit höheren Steuern zu bremsen – die etwa Tönnies‘ ökologisch verheerende Produktionsweise bestrafen müssten -, solle man lieber jährlich 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren. Tönnies Begründung dafür: „Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren.“

Wirtschaftliche Bedeutung: Europas König der Schweine

Clemens Tönnies und sein Neffe Robert Tönnies betreiben mit der Tönnies Holding ApS & Co.KG den mit Abstand größten Schlachtbetrieb Deutschlands. Tönnies ist der größte Vermarkter von Schweinefleisch in Europa, Jahresumsatz 2018: 6,5 Milliarden Euro.

Zur Tönnies Fleischproduktion gehören Zerlegung, Verarbeitung, Veredelung, Verpackung, Transport. Neben der Unternehmenszentrale in Rheda-Wiedenbrück hat Tönnies Standorte in Sögel, Kellinghusen, Beckum, Badbergen, Kempten (Allgäu), Weißenfels (Sachsen-Anhalt) und Brandenburg an der Havel.

Tönnies schlachtet laut eigenen Angaben jährlich 22.800.000 Schweine und 440.000 Rinder. 50% davon für den Export. Trotzdem will Tönnies die Kapazitäten erweitern.

Das Vermögen der Besitzerfamilie wird auf 1,5 Milliarden geschätzt. Erwirtschaftet wird dieser obszöne Reichtum von Werkvertragsarbeitern, die vermutlich rund 80% der Belegschaft stellen und für einen Mindestlohn von 9,19 Euro pro Stunde arbeiten. 

Wir fordern:

  • Abschaffung von Werkverträgen
  • Einrichtung einer effektiven Kontrollinstanz zur Einhaltung von Arbeitsrechten
  • empfindliche Sanktionen für kriminelle Unternehmer*innen
  • kollektives Klagerecht für Beschäftigte
  • Verbandsklagerecht für Organisationen wie aktion ./. arbeitsunrecht und Gewerkschaften
  • Ende der tierquälerischen und klimaschädlichen Massentierhaltung
  • Vermeidung von Tiertransporten
  • Einschränkung von Fleisch-Exporten

Auslagerung zwecks Union Busting

Tönnies-Betriebsräte gibt es nur an den Standorten in Rheda-Wiedenbrück und Söden. Am Standort Rheda-Wiedenbrück arbeiten laut Gewerkschaft NGG rund 4000 Beschäftigte, weniger als 500 sollen fest angestellt sein.

Die Werkvertragsarbeiter arbeiten für Subunternehmen wie z.B. DSI GbmH, Besselmann Services und MTM Dienstleistung GmbH . So fallen sie aus des Zuständigkeit des Tönnies-Betriebsrats. Der durch das massive Lohndumping entstehende Preisdruck wirkt auf die fest Angestellten, aber auch die Konkurrenz im Ausland, die beim Preisverfall nicht mithalten kann.

Nach Recherchen der ARD kündigte die MGM Handels- und Vermittlungs GmbH allen Werkvertragsarbeitern zum 31.07.2018. Seit dem firmiert die Personalvermittlung unter dem Namen MTM Dienstleistung GmbH. Die Firma sitzt in Schloss Holte-Stutenbrock.

Vertreter der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG), der IG Werkfairträge und der Faire Mobilität (DGB) berichten von:

  • von systematischem Lohnraub durch unbezahlt Überstunden, fehlende Zuschläge für Sonntags- und Nachtarbeit, Prellen der Beschäftigten um die Bezahlung von Rüst- und Wegezeiten
  • überteuerte Mieten, die von den Subunternehmen für Schlafplätze einbehalten werden
  • Sanktionen bei Arbeitsunfähigkeit (10,- Euro mehr Miete für jeden Tag der Arbeitsunfähigkeit)
  • Kündigungen nach Arbeitsunfällen
  • drohende Obdachlosigkeit bei Arbeitsplatzvelust

Abgetrennte Finger: Schwere Arbeitsunfälle bei Tönnies

George B. arbeitete im August 2018 an einer Zange, mit der er zuvor Schweinefüße abgetrennt hatte. Als seine Hand in die Zange geriet, trennten die Schneiden ihm vier Finger teils vollständig ab. Wie George B. dem Magazin Plusminus erklärte, arbeitete die Pfotenzange nicht korrekt. Bisher erhält George B. laut Unterstützern trotz der Verstümmelung seiner Hand keine Rentenzahlungen der Berufsgenossenschaft (BG), weil ihm Vorsatz unterstellt wird. Heißt: es steht die Behauptung im Raum, George B. habe sich die Finger absichtlich abgehackt, um sich Zahlungen zu erschleichen. 

Daniela Reim von der Beratungsstelle für mobile Beschäftigte in Oldenburg berichtete gegenüber der ARD, dass viele Werkvertragsarbeiter von Hektik, Stress, Müdigkeit, Erschöpfung und mangelnde Qualifizierung klagen. Tönnies-Werkvertragsarbeiter*innen sollen Gewerkschaftern von 16-Stunden-Schichten berichten.

Sittenwidrige Geschäfte mit der Unterbringung von Werkvertragsarbeitern

Bericht über Preise von bis zu 250,- Euro für ein einziges Bett, volllgestopfte Zimmer in kaum ausgebauten Kellern und Dachböden, schimmelige Vielbett-Zimmer in denen die Betten im Schichtbetrieb von unterschiedlichen Personen genutzt werden, werfen ein ausgesprochen düsteres Licht manche Hausbesitzer in der Region Gütersloh. Dort allein sollen 5000 Werkvertragsarbeiter leben. Die sind freilich nicht alle bei Tönnies beschäftigt. Viele Hausbsitzer machen allerdings ihr eigenes dreckiges Geschäft aus der Vermietung stark sanierungsbedürftiger Immobilien an Tönnies-Subunternehmer.

Extreme Abhängigkeit: Odachlosigkeit bei Arbeitsplatzverlust

Die Wohnungen und Häuser werden von den Subunternehmern gemietet, die ihrerseits an die Werkvertragsarbeiter*innen untervermieten. Verlieren die Arbeiter*innen ihren Job, stehen sie damit oftmals unmittelbar auf der Straße.

An manchen Wohnhäusern sind eigens Schilder angebracht, dass die Wohnheime nicht betreten werden dürfen. Damit wollen die Tönnies-Subunternehmer Kontakte der Werkvertragsarbeiter zur Außenwelt, vor allem jedoch Gewerkschaftern und Medien vermeiden.

Grausame Vernutzung von Tieren und Expanionspläne:

  • qualvolle Schlachtung durch Kohlenstoffdioxid-Betäubung (CO²)
  • Schlachtung von 20.800.000 Schweinen und 440.000 Rindern - weitere Expansion geplant

Nach der genehmigten Expansion kann Tönnies in Rheda-Wiedenbrück täglich 30.000 Tiere schlachten. Das bedeutet täglich 4.000 und auf das Jahr gerechnet 1 Millionen Schweine mehr als bisher, die nach Rheda-Wiedenbrück transportiert werden. Dazu kommen Futter, Medikamente und Abtransport. Nach der Schlachthoferweiterung würden täglich 6,5 Millionen Liter Frischwasser zu Abwasser. Hinzu kommt der Zuwachs an Lärm, Gestank, Gülle, Mehrbelastung mit Nitrat und multiresistenten Keimen.

Das Bündnis gegen die Tönnies Erweiterung kämpft seit 2017 dagegen an.

Die Expansion ist auch deshalb Ausdruck extremer Perversion, weil Tönnies bereits jetzt 50% seiner Erzeugnisse rund um den Globus exportiert. Sogar bis nach China. Ökologisch katastrophal und schlicht Irrsinn. Die Absatzzahlen in Deutschland sinken, trotz der geradezu sittenwidrig niedrigen Preise. 98% der geschlachteten Tiere stammen aus tierquälerischer Massentierhaltung, die ihren Bedürfnissen in keinster Weise gerecht wird. Viele Sterben nach dem Martyrium der Transports bei Tönnies einen qualvollen Tod. Laut Angaben der Bundesregierung werden allein in Deutschland jährlich 6.000.000 Schweine fehlbetäubt (wie auch 350.000 Rinder und 100.000 Schafe).

Demokratie? Politik ignoriert 15.000 Unterschriften gegen die Schlachthoferweiterung

In Rheda-Wiedenbrück ist das Tierleid auf den Straßen täglich präsent. Im Bündnis organisierte Anwohner leiden unter der Entrechtung, dem massenhaftem Missbrauch, den sicht- und hörbaren Qualen der Tiere. Um welche Dimensionen es sich dreht macht diese Beispiel deutlich: könnte der Schlachthof in Rheda-Wiedenbrück nicht angefahren werden, müssten nach der Erweiterung alleine im Zeitraum von 24-48 Stunden 300 Tiertransporte mit 60.000 Schweinen umgeleitet werden.

Fast 15.000 Unterschriften sammelte das Bündnis von Bürger*innen gegen eine Erlaubnis zur Erweiterung, brachten mit anderen Organisationen insgesamt rund 90 Einwendungen ein. Dennoch genehmigte der Kreis die Erweiterung des Schlachthofs. Der Antrag ging trotz der offensichtlichen Belastungen ohne Umweltverträglichkeitsprüfung durch. Die Entscheidung für die Erweiterung fiel am 03.12.2018. Nur bis 17.12.18 hätte beim Verwaltungsgericht Minden Klage eingereicht werden können. Das Wohl einer einzigen Milliardärsfamilie wiegt offensichtlich ein Vielfaches mehr, als das von 15.000 Durchschnittsbürgerinnen und -bürgern.

Unterdrückung kritischer Berichterstattung - Agenda Cutting präventiv

Sowohl die Aktion gegen Arbeitsunrecht, der Hamburger Jour Fixe der Gewerkschaftslinken, auch das Bündnis gegen die Tönnies Erweiterung erhielten im Auftrag von Tönnies Unterlassungsaufforderungen der Medienkanzlei Schertz Bergmann.

Am 2. September 2019 war auch die aktion ./. arbeitsunrecht dran. Die Pressekammer Berlin erließ auf Wunsch von Schertz Bergmann die einstweiliege Verfügung, vier Äußerungen bis zu einer gerichtlichen Klärung nicht mehr zu tätigen. Den anhängenden Prozess werden wir nutzen, um der Öffentlichkeit umfangreiches Material zum kriminogenen Milieu des Tönnies-Systems zu präsentieren.

Schertz Bergmann betreibt das Geschäft der Unterdrückung kritischer Berichterstattung sogar präventiv: Die FAZ berichtet am 16.01.2019 über Faxe, die Scherz Bergmann an Redaktionen sendete, in denen im Fall einer "rechtswidrigen" Berichterstattung schon vorab mit Klagen bedroht wurde. Der Bundesgerichtshof entschied, dass dieses Vorgehen als Einschüchterung zu werten und unzulässig sind, wenn keine konkreten Informationen zu möglichen Persönlichkeitsverletzungen durch geplante Presseberichte gegeben werden.

Wir rechnen auch im Zusammenhang mit der Tönnies-Nominierung mit juristischen Possen. Schertz Bergamnn kanns nur recht sein, denn auch bei erfolglosen Einschüchterungsversuchen geht ihre Rechnung ja an Milliardär Tönnies. Wir freuen uns über Spenden an unseren Fonds Meinungsfreiheit in der Arbeitswelt, damit wir Maulkorbversuche abschmettern können. 

Wurstlücke: Tönnies umgeht Strafzahlung an Kartell

Das Bundeskartellamt verhängte 2014 wegen illegaler Preisabsprachen gegen 21 Wursthersteller Bußgelder von insgesamt 338 Millionen Euro. 128 Millionen wären auf Tönnies entfallen. Clemens Tönnies ließ kurzerhand die Tochterfirmen Böklunder und Könecke aus dem Handelsregister löschen und konnte die Zahlung so umgehen. Die als Wurstlücke bekannt gewordene Gesetzeslücke, wonach nur das Tochterunternehmen haftete, ist mittlerweile geschlossen. 

Bereits 2013 sollte Tönnies 90.000,- Euro Strafe ans Kartellamt zahlen, weil Tönnies falsche Angaben im Zusammenhang mit dem Kauf der Mühlen-Gruppe (Böklunder, Redlefsen) gemacht haben sollte.

Aktionsvorschläge

Am System Tönnies lässt sich der gesamte, zerstörerische Irrsinn des neoliberalen Kapitalismus unserer Epoche studieren. Das System Tönnies bietet alle Möglichkeiten der Kooperation für Gewerkschafter, Sozialisten, Bürgerrechtler, Tierschützer, Umweltaktivist*innen, kritische Fußballfans und Anti-Rassist*innen.

Wir wollen den Schweine-Baron, Schalke-Boss und Rassisten Clemens Tönnies dort treffen, wo es weh tut: Marken-Image und Umsatz: Betreiben wir Aufklärung an Supermärkten!

Tönnies-Dumping-Fleisch steckt in den Marken Böklunder, Gutfried und in einem Großteil des ALDI-Fleischs (Hausmarken Tillmann’s, Rolffes, Sölde, Landbeck).

  • Flyer-Aktionen bei den Friday For Future-Demos zur Mobilisierung
  • Protest in und an ALDI-Filialen
  • Demos gegen Verstöße gegen die Menschenrechte von Tönnies-Werkvertragsarbeiter*innen und Massentierhaltung und -schlachtung entlang verschiedener Discounter

Wir werden zum Aktionstag Materialien, weitere Aktionsideen und Flyer zur Verfügung stellen.


■■■■ HINWEIS: Schertz Bergmann und andere Medienkanzleien versuchen im Auftrag von Unternehmer*innen immer wieder kritische Berichterstattungen zu unterdrücken. Wir bitten deshalb um Spenden für unseren Rechtshilfe-Fonds Meinungsfreiheit in der Arbeitswelt: https://aktion.arbeitsunrecht.de/spende-meinungsfreiheit ■■■■


Quellen

Rassismus, Kolonialismus und geistige Verirrung

zu Arbeitsbedingungen:

zu Wohnverhältnissen der Werkvertragsarbeiter:

Verstöße gegen das Tierwohl und die Erweiterung:

Zur Unternehmerfamilie Tönnies, Erbstreitigkeiten und Wirtschaftskriminalität:

Verhinderungsversuche kritischer Berichterstattung:


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